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Huhn, 2007

Installation „Das Huhn, das goldene Eier legt, sollte man nicht schlachten“ in der Baden-Württembergischen Bank in Stuttgart

Betrachtet man die 300 installierten Hühner und die dazu platzierten goldenen Eier, so repräsentieren sie symbolisch die Vielfalt an kreativen Menschen, kreativen Prozessen oder experimentellen Unternehmungen, welche eine Region oder ein Land auszeichnen kann. Diese begegnen in Gesellschaftssystemen zumeist der Problematik der Skepsis. Denn neue Ideen, Erfindungen oder nicht konforme Gedanken, auch wenn diese im zweiten Schritt eine Verbesserung der aktuellen Situation bedeuten, rufen stets Angst vor Veränderungen hervor. Mehrheitsverhältnisse, Genehmigungsverfahren, notwendige Sicherheiten für die Aufnahme von Krediten oder allgemein die Unterstützung des Systems sind nur selten oder mit Vorbehalten zu bekommen.

Der Titel der Installation in der Baden-Württembergischen Bank in Stuttgart verweist auf dieses Phänomen. Dass nämlich Hühner, welche goldene Eier für das Gesamtsystem legen könnten, mitunter und bedauerlicherweise von vorneherein geschlachtet werden. Da hört man von Verbesserungsvorschlägen, welche belächelt werden, Ideen, welche aufgrund von mangelnden Garantien nicht vorfinanziert werden, neuen Formen der Kreativität, welche nicht verstanden werden, oder Erkenntnissen, welche folgenlos bleiben. Natürlich muss jedes System Erneuerungen bewerten, sie aussieben. Die Gefahr besteht allerdings immer dann, wenn die Maschen eines Siebs so eng geflochten sind, dass möglicherweise die so bezeichneten Erneuerungen in anderen Ländern realisiert werden müssen. Damit entwickelt sich eine Unsicherheit für die Zukunft jedes Systems.

Vielleicht sollte man deshalb Jean de La Fontaines Fabel, auf welche sich die Redewendung bzw. der Titel der Installation bezieht, so umdeuten: Unter den Hühnern, welche gerne goldene Eier legen würden, gibt es einige, welche es können. Und diese zu unterstützen, sie eben nicht zu schlachten, bedeutet tatsächlich, einen Schatz zu finden – für das gesamte Gesellschaftssystem

 

Fotos: Werner Scheuermann

 

 

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