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Einzelausstellung "Coexistence - 공존", Indang-Museum, Daegu (Korea), 2021

Der Ausstellungstitel „Coexistence“ nimmt einen besonderen Aspekt in den Blick, der für die Menschheit im Allgemeinen sowie auch für Hörls künstlerische Haltung von grundlegender Relevanz ist: Der Begriff „Koexistenz“ steht für das gleichzeitige, friedliche Nebeneinander unterschiedlicher Lebensformen. Im übertragenen Sinne bedeutet dies (für Hörl), dass unterschiedliche Ideen und Weltanschauungen nicht als fremd oder gar bedrohlich aufgefasst werden sollten. Gesellschaft und Individuum sollten in der Verschiedenheit ein Potenzial erkennen. Nicht gemeint ist damit, dass alles unbedingt zusammenpassen und ein großes Ganzes ergeben muss. Es wäre wünschenswert, dass eine Gesellschaft sowohl Interesse an, als auch Respekt vor den verschiedenen Facetten des einzelnen Menschen bzw. Lebewesens haben sollte. So ist es einerseits genau dieser Respekt, andererseits „die prinzipielle Fragestellung Hörls nach den geheimen Regeln der Ordnung, nach den in der Vielfalt der Erscheinungen verborgenen strukturellen Gegebenheiten an sich“, die sich laut Kunsthistoriker Thomas Knubben wie ein roter Faden durch sein künstlerisches Werk ziehen. Aus dieser Haltung erklärt sich auch die Konsequenz, dass Hörl sich keinem bestimmten Stil unterwirft. Alle Kunstgattungen und ästhetische Sprachformen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dementsprechend wurden die Ausstellungsräume im Museum themenzentriert kuratiert. 

Speziell für das Indang Museum konzipierte Ottmar Hörl eine neue serielle Skulptur: Es handelt sich um das Motiv der „Nightingale“, der berühmten Krankenschwester, Statistikerin, Begründerin der Krankenpflege, Reformerin des Sanitätswesens und Pionierin der Gesundheitsfürsorge. Bereits im 19. Jahrhundert setzte sie sich für eine medizinische Versorgung für jedermann ein. Im Museumskontext steht sie symbolisch für die Verbindung zwischen der Lehre und der Praxis der Universität, sowie als Hommage an jede und jeden, die ihr Leben der Wissenschaft und dem Pflegedienst am Menschen und somit dem Gemeinwohl widmen. Das Thema ist bis heute aktuell. Die serielle Skulpturen-Installation mit hunderten von knapp 50 cm hohen monochromen Skulpturen wird ergänzt durch weitere Installationen, die spannende Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arbeiten eröffnen. Schon hier wird deutlich, dass das Serielle, als ein grundlegendes Strukturelement moderner Gesellschaften, sowie die Idee von Kunst als Erfahrungsraum und erkenntnisförderndem Kommunikationsmodell, zu den wesentlichen Prinzipien des Werks von Ottmar Hörl zählen. Sein Anliegen ist es, möglichst viele Menschen zur Auseinandersetzung mit Kunst anzuregen.

Wiederkehrende Leitmotive sind beispielsweise auch die Themenbereiche Kunst und Natur. So bilden die innovativen Fotokonzepte, wie Requiem for Vincent, die unmittelbare Verbindung zu den malerisch wirkenden Portfolio-Arbeiten Il Mare und der seriellen Skulptur des Matterhorns. Letztere steht buchstäblich für die realisierte Versinnbildlichung der Metapher „Berge versetzen“. Kann diese doch auch auf die schöpferische Erfindungskraft an sich, sowie auch auf die kreativen Leistungen und Errungenschaften im Hinblick auf wissenschaftliche und revolutionäre Formeln für die Raumfahrt, die Mathematik oder die Chemie bezogen werden. Auch kunsthistorisch herausragenden Positionen wie denen von Warhol, Duchamp, Beuys und Picasso in Form von seriellen Büsten ist in verschiedenen monochromen Farben ein gesamter Raum gewidmet. „Die Köpfe stehen in einem unmittelbaren autobiographischen Zusammenhang. Es sind Künstler, die mich innerhalb meiner künstlerischen Entwicklung mit ihrem Werk inspirierend begleitet haben,“ so Hörl.

Mit der umfangreichen Ausstellung schafft das Indang Museum einen tiefen, perspektivenreichen Einblick in das komplexe Werk von Ottmar Hörl, das erstmals in umfangreicher Form nun in Asien vorgestellt wird. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Juli 2021 zu sehen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein 13-teiliges Interview mit Ottmar Hörl und Klaus D. Bode, aufgezeichnet per Video.

(Galerie Bode, Text: Anna Bode)

 

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