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Venus von Offenburg, 2005

Die Nackte im öffentlichen Raum, Installation in Offenburg

Gut sieht die Nackte aus. Untenherum ist sie kräftig gebaut. Ein schönes, rundes Gesäß wölbt sich über den durchtrainierten Beinen. Sie zeigt fabelhafte Proportionen, mit Rundungen an den richtigen Stellen. Aber oft mögen Frauen das an sich selbst ja nicht so gerne. Vielleicht findet auch unsere Nackte, ihre Brust sei ein wenig zu klein geraten und der Po zu groß. Blödsinn, warum eigentlich? Selbstbewusst blickt sie also dem Betrachter entgegen, den Mund zu einer Schnute gezogen. Kess – ja. Sündig – auf keinen Fall. Gerade so, als fragte sie „Hey Betrachter, was willst du? Ich bin nackt, na und?“ Oder schaut sie etwa in einen imaginären Spiegel und sagt sich so etwas wie: „Na, da sollten wir bis zum Sommer noch ein paar Pfund abnehmen“.

Etwa 500 Mal werden die Offenburger diese attraktive Nackte in diesem Frühjahr sehen. Sie kommen gar nicht darum herum. Denn so oft hat der Künstler seine rote Plastikfigur in der Parkanlage aufgestellt. Da blitzt sie zwischen Sträuchern, Bäumen und auf der Wiese. Ich bin eine Venus, will sie sagen. Bin ich schön?

Die Venus – Göttin der vollendeten Schönheit, der sexuellen Liebe. Hesiod beschrieb sie als „Schaumgeborene“. Aus den Blutstropfen soll sie entstanden sein, die ins Meer fielen, als Uranus der Penis abgeschnitten wurde. Doch die weniger schaurige Version von Homer besagt, sie sei die Tochter des Zeus und der Dione. Außerdem war sie die Ehefrau von Vulcanus/Hephaistos, leider mit einem ausgeprägten Hang zu außerehelichen Affären. Adonis und Mars waren ihre Geliebten, mit Letzterem hatte sie die Kinder Eros und Harmonia. Einem Seitensprung mit dem Trojaner Anchises entspross Aeneas, der Stammvater der Römer. So wurde sie zum Vorbild für die Anhänger der freien Liebe. Die Venus war eine beliebte Göttin. Kein Wunder: Bedeutete ihr Kult doch auch, dass, wer sich fleischlichen Genüssen hingab, damit eine Art Gottesdienst betrieb.

Unsere Venus in Offenburg ist weder Vamp noch Geliebte, sondern eine ganz normale Frau. Sie könnte auf dem Arbeitsamt arbeiten, in dem Café an der Ecke oder auf einem Bauernhof. Doch warum ist sie nackt? „Die Venus im Rock zu zeigen, hätte ich irgendwie blöd gefunden“, sagt ihr Macher, der Künstler Ottmar Hörl. Dabei sei ihre Nacktheit ja gar nicht so vordergründig. Und warum zeigt er sie gleich 500 Mal? Vielleicht, um sie aus dem Kontext des Denkmals zu lösen. Unbekleidete Gestalten, die aufreizend an Brunnenrändern auf öffentlichen Plätzen posen, haben wir schließlich genug. Unsere Nackte posiert nicht, ihre Haltung ist lässig. Und warum Plastik? Vielleicht, weil man dieses Material optimal vervielfältigen kann. Die Venus von Offenburg ist für alle da. Eine Hommage an die Frau, einfach so.

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